Wie lebten die Nonnen in Kloster Brunnenburg?
Die Brunnenburg war ein Frauenkloster. Nach dem heutigen Forschungsstand, insbesondere den Arbeiten von Bruno Krings, folgte der Konvent der Regel des heiligen Benedikt. Die Grabungen von Ingrid und Günter Maag haben uns die Mauern zurückgegeben, in denen diese Frauen lebten. Doch wie sah ihr Alltag eigentlich aus? Ein Blick auf das Leben benediktinischer Nonnen im Mittelalter.
Bete und arbeite: die Regel des heiligen Benedikt
Benedikt von Nursia verfasste seine Ordensregel im 6. Jahrhundert. Über die Jahrhunderte wurde sie zur wichtigsten Richtschnur des abendländischen Klosterlebens, für Männer wie für Frauen. Ihr Kern lässt sich in einem berühmten Leitwort fassen: ora et labora, bete und arbeite. Das Leben sollte in einem ausgewogenen Rhythmus aus Gebet, Arbeit und geistlicher Lesung verlaufen, getragen von einer festen Gemeinschaft unter der Leitung einer Äbtissin.
Wer eintrat, verpflichtete sich auf drei Grundhaltungen: die Beständigkeit, also das Bleiben in derselben Gemeinschaft ein Leben lang; den Gehorsam gegenüber der Äbtissin und der Regel; und die stete innere Umkehr, das klösterliche Leben mit allen Konsequenzen anzunehmen. Bemerkenswert ist, dass Benedikt zugleich Maß und Mitte forderte. Übertriebene Härte war nicht das Ziel, sondern ein Leben, das dauerhaft durchzuhalten war.
Ein Tag im Zeichen der Gebetszeiten
Der Tageslauf war streng gegliedert, und zwar durch das Chorgebet, das die Nonnen bei Tag und Nacht mehrmals in der Kirche zusammenführte. Es begann tief in der Nacht mit den Vigilien, gefolgt von den Laudes im Morgengrauen. Über den Tag verteilt kamen weitere kurze Gebetszeiten hinzu, am Abend die Vesper und vor der Nachtruhe die Komplet.
Zwischen den Gebetszeiten lagen Handarbeit, geistliche Lesung und die meist schweigend eingenommenen Mahlzeiten. Auch das Schweigen selbst gehörte zur Ordnung des Tages, ebenso wie die Selbstversorgung: Ein Kloster musste sich weitgehend selbst tragen, von der Küche über die Gärten bis zur Krankenpflege. Genau diese Räume, der Speisesaal, die Küche, der Schlafsaal und der beheizbare Raum, haben die Maags an der Brunnenburg wieder nachweisen können.
Die Herausforderungen eines solchen Lebens
Ein Leben nach der Regel verlangte viel. Am einschneidendsten war die Klausur, die Abgeschlossenheit von der Welt, die gerade für Frauen im Lauf des Mittelalters immer strenger gehandhabt wurde. Der Kontakt zur Familie war stark eingeschränkt, das Kloster wurde zur ganzen Welt. Dazu kamen der unterbrochene Schlaf durch das nächtliche Gebet, der Verzicht auf persönlichen Besitz und eigenen Willen sowie körperlich fordernde Arbeit. Die Gebäude waren zumeist kalt, geheizt wurde oft nur ein einziger Raum, die sogenannte Wärmestube. Krankheit traf auf begrenzte Mittel, und die Kost war einfach.
Die Vorteile
Und doch bot dieses Leben Frauen Möglichkeiten, die ihnen außerhalb der Klostermauern meist verschlossen blieben:
- Sicherheit und Versorgung. In einer unsicheren Zeit boten Dach, Nahrung und Pflege im Alter eine lebenslange Absicherung.
- Bildung. Nonnen lernten lesen und schreiben, führten Bibliotheken und kopierten Handschriften. Klöster waren Orte der Gelehrsamkeit, zu einer Zeit, in der Bildung den meisten Frauen verwehrt war.
- Eigenständigkeit und Leitung. Eine Äbtissin besaß echte Autorität. Sie verwaltete Güter, traf Entscheidungen und vertrat den Konvent nach außen. Das war ein für mittelalterliche Frauen ungewöhnliches Maß an Selbstbestimmung.
- Gemeinschaft und Sinn. Das Leben bot geistliche Erfüllung, gesellschaftliches Ansehen und einen Weg jenseits von Zwangsehe und den Gefahren häufiger Geburten.
Die Nachteile
Dem stand ein hoher Preis gegenüber:
- Verlust an Freiheit. Die Bindung galt lebenslang, eine Rückkehr in die Welt war kaum vorgesehen.
- Nicht immer freiwillig. Manche Mädchen wurden schon als Kinder ins Kloster gegeben oder aus familiären und wirtschaftlichen Gründen dorthin bestimmt. Die Entscheidung trafen oft andere.
- Strenge und Strafen. Verstöße gegen die Regel wurden geahndet, das Leben war von Disziplin durchzogen.
- Abhängigkeit. Für die Messe und die Sakramente waren die Nonnen auf Priester angewiesen. Und ging es dem Kloster wirtschaftlich schlecht, litt die ganze Gemeinschaft mit.
Zwischen zwei Welten
Ob ein solches Leben eher Last oder Geschenk war, hing von vielem ab: von der Zeit, der Region, der Herkunft und nicht zuletzt davon, ob eine Frau ihren Weg selbst gewählt hatte. Sicher ist: Die Nonnen der Brunnenburg lebten genau diesen Rhythmus aus Gebet und Arbeit, innerhalb der Mauern. Wer heute durch die Ruine geht, bewegt sich durch ihren einstigen Alltag.