Das Siegel des Klosters Brunnenburg

Ein mittelalterliches Zeugnis klösterlicher Selbstverwaltung.

Nur drei Exemplare des Konventssiegels von Brunnenburg sind heute noch bekannt. Zwei werden im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden aufbewahrt, ein weiteres befindet sich im Landeshauptarchiv Koblenz. Sie gehören zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen, die uns einen unmittelbaren Einblick in das Leben und die Verwaltung des mittelalterlichen Klosters geben.

Das hier abgebildete Siegel hängt an einer Urkunde vom 8. Oktober 1342. In diesem Schriftstück bestätigen die Nonnen des Klosters den Erhalt von 95 Goldgulden.

Die Inschrift des Siegels lautet:

SIGILLVM CONVENTVS MONIALIVM IN BRVNENBVRH

Frei übersetzt bedeutet dies:

„Siegel des Konvents der Nonnen in Brunnenburg.“

Das Siegel ist spitzoval und knapp fünf Zentimeter lang. Es zeigt die gekrönte Mutter Gottes, die das Jesuskind auf dem Arm trägt. Das Kind ist durch einen Heiligenschein als Christus dargestellt. Damit verbindet das Siegel den Namen des Konvents mit einem eindrucksvollen religiösen Bildmotiv.

Für die Menschen des Mittelalters besaß ein Siegel eine weit größere Bedeutung als heute. Es diente als Beglaubigung eines Dokuments und verlieh einer Urkunde Rechtskraft und Glaubwürdigkeit. Wer sein Siegel an eine Urkunde hängen ließ, bestätigte damit öffentlich deren Inhalt.

Wie wichtig das Siegel für die Nonnen von Brunnenburg war, zeigt eine Formulierung am Ende der Urkunde:

„Zum Zeugnis dessen ist unser Siegel an diese Urkunde gehängt worden.“

Mit diesen Worten wird deutlich, dass das Siegel als sichtbarer Nachweis für die Echtheit des Dokuments diente.

Auch die Datierung der Urkunde ist überliefert:

„Gegeben im Jahr des Herrn 1342, am achten Tag des Monats Oktober.“

Nach fast sieben Jahrhunderten hat sich dieses kleine Stück Wachs erhalten. Es erinnert nicht nur an den Erhalt von 95 Goldgulden, sondern auch an die Gemeinschaft der Brunnenburger Nonnen, die ihre Angelegenheiten mit ihrem eigenen Siegel bekräftigten. Damit gehört es zu den bedeutendsten erhaltenen Zeugnissen aus der Geschichte des Klosters Brunnenburg.