Die Ausgrabung im Überblick
Die Ausgrabung im Überblick
Zwischen 1974 und 1978 untersuchten Ingrid und Günter Maag die Klosterruine Brunnenburg über mehrere Jahre hinweg und legten dabei weite Teile der mittelalterlichen Anlage frei. Ihre Ergebnisse erschienen als fünfteiliger Bericht in den Nassauischen Annalen (die einzelnen Teile sind unten aufgeführt). Dieser Überblick fasst die wichtigsten Erkenntnisse in verständlicher Form zusammen.
Ausgangslage und Vorgehen
Als die Maags mit ihrer Arbeit begannen, war von der einst ausgedehnten Klosteranlage vor allem die Westfassade der Kirche mit ihrem großen Kreisfenster in voller Höhe erhalten. Die übrigen Gebäude waren bis auf niedrige Mauerreste vergangen, ihre einstige Gestalt und Nutzung lagen im Dunkeln. Auch die Schriftquellen helfen kaum weiter, denn mit der Aufhebung des Klosters im Jahr 1542 ging ein Großteil der Überlieferung verloren.
Das Ehepaar wählte deshalb eine behutsame Methode. Statt großflächig zu graben, tasteten sie sich in schmalen Schnitten entlang der Mauerzüge vor und legten die Fundamente nur so weit frei, wie es für die Vermessung nötig war. Auf diese Weise blieb der bauliche Bestand als Zeugnis unversehrt, und spätere Forschung kann die Ergebnisse jederzeit überprüfen. Ihr Ziel war es, den Grundriss und den Aufriss der Gebäude sowie die Funktion der einzelnen Räume für den Zustand vor der Aufhebung möglichst vollständig zu klären.
Die Klausur: ein vollständiger Konvent
Das wichtigste Ergebnis der Grabung ist der Nachweis eines vollständigen Wohn- und Wirtschaftsbereichs der Nonnen nördlich der Kirche. Diese Klausur war um einen Kreuzgang angeordnet, einen überdachten Wandelgang, der einen annähernd quadratischen Innenhof auf allen vier Seiten umschloss. An den Kreuzgang schlossen sich die Gebäudeflügel an, in denen sich das klösterliche Leben abspielte.
Die Maags konnten die Lage und mutmaßliche Funktion dieser Räume Stück für Stück rekonstruieren. Im nördlichen Flügel lag ein Keller mit einem darüberliegenden Geschoss. Über dem östlichen Flügel befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit der Schlafsaal der Nonnen, das Dormitorium. Hinzu kamen die weiteren Gemeinschaftsräume eines Klosters, darunter der Versammlungsraum des Konvents, der Speisesaal und die Küche. Für einzelne Räume ließ sich die Zuordnung nicht zweifelsfrei klären, weshalb die Maags an mehreren Stellen sorgfältig zwischen dem Gesicherten und dem Vermuteten unterscheiden.
Wasser, Brunnen und Latrinen
Passend zum Namen Brunnenburg fand das Ehepaar 1979 im Zentrum des Innenhofs einen Ziehbrunnen. Sein kreisrunder Schacht misst rund 1,45 Meter im Durchmesser. Darüber hinaus stießen die Maags auf ein durchdachtes System zur Wasserführung: Kanäle sammelten das Oberflächen- und Abwasser und leiteten es über den Steilhang zur Lahn hin ab. An dieses System waren auch die Latrinen angebunden. Anzeichen sprechen dafür, dass in den ausgedehnten Gartenflächen ein weiterer Brunnen vorhanden gewesen sein könnte.
Diese Befunde gehören zu den anschaulichsten der ganzen Grabung, denn sie zeigen, wie sorgfältig die tägliche Versorgung der Gemeinschaft geplant und angelegt war.
Die Klosterkirche
Die Kirche ist der am besten erhaltene Teil der Anlage. Die Maags beschreiben sie als dreischiffige, nach Osten ausgerichtete Pfeilerbasilika: ein hohes Mittelschiff, flankiert von zwei niedrigeren Seitenschiffen, im Osten abgeschlossen durch eine halbrunde Hauptapsis und zwei kleinere Nebenapsiden. Ein Querschiff und Türme besaß der Bau nicht. Der Boden bestand überwiegend aus Schieferplatten, in die nur wenige verzierte Tonfliesen eingelassen waren.
Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Maags der inneren Aufteilung, insbesondere der Frage, wo sich der nur den Nonnen zugängliche Bereich befand. Fest steht, dass das Mittelschiff keine Nonnenempore besaß. Ob der Chor der Nonnen deshalb ebenerdig im östlichen Teil des Langhauses lag, ließ sich nicht abschließend klären. Errichtet wurde die Kirche zügig im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts, stilistisch eng an die nahe Klosterkirche Arnstein und andere Bauten der staufischen Spätromanik angelehnt.
Gebäude östlich der Kirche, Umfriedung und Freiflächen
Östlich der Kirche kam ein kleineres Gebäude zum Vorschein, dessen Funktion die Maags eigens untersuchten. Weiträumig ließ sich zudem die Umfriedungsmauer des Klosterbezirks nachweisen, die den gesamten Bereich mehrfach abgeknickt umschloss. Innerhalb und außerhalb dieser Mauern lagen ausgedehnte Freiflächen, die überwiegend als Gärten dienten und zur Selbstversorgung des Klosters beitrugen. Damit tritt neben die Gebäude auch das weitere Umfeld der Anlage wieder deutlich hervor.
Datierung und Bedeutung
Ein genaues naturwissenschaftliches Datum ließ sich nicht gewinnen, denn es war kein verbautes Holz erhalten, an dem sich über die Jahresringe eine Bestimmung hätte vornehmen lassen. Die zeitliche Einordnung stützt sich daher auf den Vergleich mit ähnlichen, besser datierten Bauten. Im Ergebnis erscheinen Kirche und Konventgebäude als weitgehend einheitliche Anlage des frühen 13. Jahrhunderts, die bis zur Aufhebung des Klosters im Jahr 1542 in Nutzung blieb.
Die Grabungen der Eheleute Maag lieferten damit erstmals einen gesicherten Grundriss der gesamten Anlage und eine belastbare Vorstellung ihrer einstigen Gestalt. Sie sind bis heute die Grundlage für jede weitere Beschäftigung mit der Brunnenburg und haben wesentlich dazu beigetragen, die Ruine als kulturelles Erbe der Region sichtbar und verständlich zu machen.

Freiliegende erhaltene Bausubstanz im Frühjahr 1974 (Abb. 1 aus Band 87 der Nassauischen Annalen, Maßstab 1:1000).
Nassauische Annalen Band 87, 1976, Seiten 46 – 68
Der erste Teil führt in die Geschichte und den Forschungsstand des Klosters ein und wendet sich dann dem nördlich an die Kirche anschließenden Bereich der Klausur zu. Ingrid und Günter Maag nahmen die noch sichtbare Bausubstanz auf und legten in behutsamen Grabungen die Mauerzüge dieses Gebäudeflügels frei. So entstand die erste gesicherte Grundlage für das Verständnis der Wohn- und Wirtschaftsräume der Nonnen.
Nassauische Annalen Band 90, 1979, Seiten 39 – 67
Im zweiten Teil untersuchten die Maags die übrigen Seiten der Klausur, also den östlichen, südlichen und westlichen Gebäudeflügel rund um den Kreuzgang. Damit ließ sich der Innenhof mit seinem umlaufenden Wandelgang erstmals vollständig fassen und die Anordnung der einzelnen Räume nachvollziehen.
Nassauische Annalen Band 92, 1981, Seiten 42 – 58
Der dritte Teil vervollständigt das Bild der Konventgebäude und widmet sich der Versorgung des Klosters. Im Zentrum des Innenhofs fanden die Maags einen Ziehbrunnen, dazu ein durchdachtes System aus Kanälen, das Frisch und Abwasser lenkte und die Latrinen einband. Diese Befunde zeigen, wie sorgfältig der Alltag der Gemeinschaft organisiert war.
Nassauische Annalen Band 94, 1983, Seiten 101 – 136
Der vierte Teil gilt der Klosterkirche. Die Maags vermaßen den Bau, beschrieben sein Äußeres und Inneres und werteten die erhaltenen Bodenfliesen aus. Auch der Frage nach dem nur den Nonnen vorbehaltenen Bereich der Kirche gehen sie hier nach.
Nassauische Annalen Band 95, 1984, Seiten 55 – 74
Der abschließende Teil behandelt das kleine Gebäude östlich der Kirche sowie die Umfriedungsmauern und Freiflächen, die die Anlage umgaben. Am Ende steht die zeitliche Einordnung: Kirche und Konventgebäude erweisen sich als weitgehend einheitliche Anlage des frühen 13. Jahrhunderts.